N A U T I L U S 37

»Ich liebe es, mich in subtile, alltägliche menschliche Emotionen hineinzufühlen«

König der Spartaner

Interview mit Leonidas-Darsteller Gerard Butler


Gerard Butler trainierte acht harte Monate für den Film. Mehr zu dem schottischen Darsteller gibt es hier zu lesen

Guten Morgen, Herr Butler.

Guten Morgen ... sagen Sie mal, haben Sie eine Zigarette für mich?

Für einen Raucher sehen Sie im Film aber ziemlich gesund aus.

Make-Up! Das macht alles das Make-Up. Nein, eigentlich habe ich während des Films gar nicht geraucht. Als ich die Zusage bekam, habe ich mit dem Rauchen aufgehört, und ich glaubte, und weiß jetzt, dass ich das Training als Raucher nicht geschafft hätte. Vor allen Dingen nicht bei den Mengen, die ich sonst rauche.

Es sieht wirklich so aus, als hätten Sie für 300 ziemlich hart trainieren müssen, um derart ausgezeichnet in Form zu kommen.

Ja. Man braucht Energie und Durchhaltevermögen, um das zu schaffen, aber noch mehr als das braucht man Appetit. Man braucht tatsächlich einen gewaltigen Appetit. Man muss darauf achten, was man isst, und man muss sehr viel essen. Wenn man raucht, verliert man Appetit, und wenn man nicht viel isst, ist das nicht immer die beste Art, Gewicht zu verlieren. Wenn man nicht viel isst, isst man manchmal falsch. Man isst eine Weile nichts, und dann isst man viel, und der Körper speichert es. Regelmäßig zu essen - alle zwei Stunden zu essen - ist der beste Weg, um den Metabolismus zu optimieren.
Oh Gott, warum haben Sie mich das bloß gefragt? (Lacht) ich habe hier in Wirklichkeit ein Buch vor mir liegen, aus dem ich das ablese. Also hier auf Seite 27 ...
(lacht)

Sie denken noch sehr viel über dieses Training nach?

Ja, genau. Ich bin eine sehr extreme Person, und daher geht meine Art zu leben auch sehr weit auseinander. Training, Fitness und Athletik sind auf der einen Seite, und auf der anderen Seite gibt es meine Stubenhockerei. Na ja, ich sitze nicht einfach nur herum - ich meine eigentlich die Raucherei und meinen Koffeinkonsum. Das ist mein ganz persönlicher Hedonismus. Wenn ich trainiere, dann meist auf ein bestimmtes Ziel hin, und oft wird das Ganze nur dadurch motiviert. Ich habe mehr Antrieb, wenn ich nicht nur für mich selbst trainiere, sondern weiß, dass ich auf Zelluloid gut aussehen sollte, weil ich eine Person spiele, die kein Durchschnittstyp ist. Man muss sich wirklich zwingen.

Bei einem Interview während der Arbeiten an 300 sagten Sie, dass es eine besonders lange ungeschnittene Actionszene gibt. Welche Szene meinten Sie damals?

Ich meinte das Durchkämpfen, das stattfindet, als ich aus der vordersten Reihe ausbreche und allein auf die Perser losgehe, erst mit dem Speer und dann mit dem Schwert.
Ich habe mit meinen Stuntleuten Damon Caro und Chad Stahelski zusammengearbeitet, die alle Matrix-Teile und Die Bourne-Identität gemacht haben, und sie hatten noch nie ein so langes ungeschnittenes Stück choreographiert. Das andere Problem war, dass wir es in voller Geschwindigkeit machen mussten, damit es in Zeitlupe gezeigt werden konnte.
Der erste Teil von Matrix ist mein absoluter Lieblings-Actionfilm, und die Action ist das beste daran, aber ein Großteil der Kampfszenen wurde langsamer gedreht, damit man sie in allen Geschwindigkeiten verwenden konnte.
Die Action für 300 mussten wir aber mit etwa 95% Geschwindigkeit drehen. Normalerweise meint man etwa 80% Geschwindigkeit, wenn man bei einer normalen Kampfszene »Film ab!« sagt, aber man schafft das kaum. Es ist fast unmöglich, wenn man als Schauspieler physisch so aufgepumpt ist, nur 80% zu geben. Das werden niemals 80%. In Wirklichkeit werden das dann etwa 110% Prozent. Wenn man also 100% gesagt bekommt, geht man los wie ein Außerirdischer auf Speed. Dann sieht es aber nicht mehr so gut aus, nicht so konzentriert.

Sie sagten, dass Sie eine extreme Person sind. Für 300 braucht man ja extreme Personen. Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen, eine Figur aus einem Comic zu verkörpern?

Ich habe schon drei Monate vor Drehbeginn mit den Recherchen angefangen, und jedes Mal, wenn ich so etwas für eine Rolle mache, denke ich ganz scharf über diesen Charakter nach und betrachte ihn gründlich. Ich schaue mir auch viele verschiedene Filme an, um mich inspirieren zu lassen, aber gerade der Comic, auf dem die Geschichte basiert, war extrem informativ, insbesondere was die Zeichnungen, die Stimmung und die Haltung der Charaktere angeht. Der Comic bietet einen ganz direkten, intensiven Draht zu den Geschehnissen, und gleichzeitig bekommt man ein Gefühl dafür, wer diese Leute sind, wie sie gelebt haben, wie sie miteinander und wie sie mit anderen Menschen umgegangen sind.
Für mich war das wichtigste, Leonidas so zu spielen, dass er sich für den Zuschauer wie ein epischer Held anfühlt. Man muss das Publikum davon überzeugen, dass dieser Mensch die dreihundert durchtrainierten, sagenhaften Elitekämpfer tatsächlich in den Tod führen kann. Man muss diesem Menschen vollkommen vertrauen können, und er muss großes Charisma und große Stärke ausstrahlen. Und trotzdem muss man in manchen Momenten das Herz des Charakters erkennen können - und das bei diesen Charakteren, die so verdammt wenig von sich nach draußen lassen, wie das bei den Spartanern eben ist. Er liebt seine Frau, er ist traurig, weil er sie verlassen muss, aber würde er ihr das jemals sagen? Nein! Weil ein Spartaner so etwas eben nicht tut. Er hat dieselben Gefühle, dieselben Bedenken und dieselben aufwühlenden Gedanken über seine Reise und über seine Männer und über das, was mit ihnen geschehen wird, aber das findet alles auf einer sehr viel tieferen Ebene statt. Mir macht es Spaß, mit diesen Aspekten zu spielen und mich an einer düsteren, ursprünglichen und maskulinen Mythosfigur zu versuchen.
(...)

Das Interview führteVerena Stöcklein

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